DDR´s historie Del II (tysk)

Juni 2003

I anledning af 50-året for begivenhederne i Berlin den 17. Juni i 1953 skrev den tyske revolutionære kommunist Waltraud Aust som da var en ung kommunistisk fabriksarbejder i Øst-Berlin en artikel. * * * * *

” Fortæl os, om dine erfaringer fra 17.juni 1953 og hvad der førte frem til den kontrarevolutionære opstand i 1953. Du var jo tilstede på den tid” lød opfordringen fra redaktøren af ‘Kommunistische Hefte” til Waltraud Aust som svarede:

Ja, hvordan var den konkrete situation den 17.Juni og inden da , i Jena, Øst Berlin, Magdeburg, Leuna eller Bitterfeld? Hvad var årsagerne til, at – selvom det ikke var masserne – alligevel flere end 300,000 af de fem millioner arbejdere og ansatte deltog i strejker, aktioner og protest-demonstrationer i disse byer og mange andre steder i DDR ?

– “Jeg boede i Øst-Berlin på den tid , Jeg var 18 år gammel og var blevet politisk skolet i DDR, i Unge Pionerer, i FDJ [Freies Deutsche Jugend], i Volkspolizei {Folkepoltiet], SED {Socialistische Einheits Partei]. Uden at fordre en fuldstændig forståelse , vil jeg prøve , på grundlag af mine egne erfaringer i Øst Berlin, at beskrive situationen der før og under den 17. Juni”

Forfatteren giver både øjebliksbillede- og overblik over det første forsøg på at opbygge socialismen på tysk jord. Hun beskriver det Vest-tyske bourgeoisie´s manøvrer for at underminere og sabotere den socialistiske opbygning, as well as the bureaucratic policies of the revisionists in the DDR, which progressively alienated the workers from the government. These culminated in the events of June 17.
As Aust states at the beginning of her article, her description is not meant to be a comprehensive analysis of that period. She does not, for example, explain the changes in the relations of production that occurred as the revisionists consolidated their positions in the leadership of the GDR. Nor does she discuss how the revisionist elements who took over the leadership of the Soviet Union after Stalin’s death in March of 1953, and apparently Beria in particular, influenced the new policies of the GDR leadership in the months leading up to June 17.
Til trods for disse begrænsninger , giver artiklen alligevel et værdifuldt bidrag til en forståelse for de årsager der førte til den kontrarevolutionære juni-opstand i Øst-Berlin – set fra arbejderklassens og de revolutionære kommunisters position –

Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt 

DEl II
Anlässlich des 50. Jahrestags des sogenannten »Volksaufstands« am 17. Juni 1953 überschlagen sich Presse und Politiker mit Lobhudeleien und antikommunistischer Hetze. Wir veröffentlichen einen Artikel der Genossin Waltraud Aust, der erstmals 1983 im damaligen Theoretischen Organ unserer Partei, »Kommunistische Hefte« veröffentlicht wurde.
Waltraud Aust hat den 17. Juni selbst miterlebt. Ihre Darstellung vermittelt ein lebendiges Bild der damaligen Ereignisse.
Den ersten Teil des Artikels haben wir in der letzten Ausgabe des Roten Morgen abgedruckt.

Es kam dem amerikanischen CIA auch darauf an, mit diesen Paket-Aktionen Stimmung gegen die DDR-Regierung zu machen. So sollte zum Beispiel die Jugend mit Care-Paketen von ihrem Pfingsttreffen 1960 abgehalten werden. Am 27. Mai 1960 veröffentlichte das offizielle Blatt der amerikanischen Militärverwaltung in Westberlin, »Neue Zeitung«, folgende Meldung: »New York (DPA). Alle Amerikaner werden aufgefordert, noch heute insgesamt 100 000 Dollar zu spenden, damit die Hilfsorganisation (gemeint ist die Care-Organisation) dem Berliner Oberbürgermeister Prof. Ernst Reuter noch vor dem FDJ-Pfingstaufmarsch über den Erfolg berichten kann.«
Um den Aufbau der DDR zu stören und die volkseigenen Betriebe an der Planerfüllung zu hindern, erhielten die angeworbenen Agenten alle nur denkbaren Aufträge: Zerstörung von Maschinen und Transformatoren, Adressen leitender Funktionäre zu sammeln, Berichte von Konferenzen anzufertigen, Werksspionage zu betreiben, Stärke und Bewaffnung der sowjetischen Truppen und der Kasernierten Volkspolizei auszuspionieren, Viehbestände durch Pestbazillen auszurotten, Drohbriefe und Warnungen an Bürger zu verschicken, Hetzschriften und Flugblätter zu verteilen, gefälschte Lebensmittelkarten, Kohlenkarten in Umlauf zu bringen, Verkehrsnetze zu zerstören, Brücken zu sprengen, Eisenbahnstrecken unbrauchbar zu machen, Produktionsabläufe zu stören, Wirtschaftspläne zu desorganisieren, mit gefälschten Briefbögen, besonders der Ministerien und Organisationen zu arbeiten und immer wieder und in erster Linie Menschen abzuwerben nach Westdeutschland. Natürlich hauptsächlich Facharbeiter und Angehörige der technischen Intelligenz. Neben hohen Honoraren für ihre Arbeit überhaupt erhielten die angeworbenen Agenten noch für jeden, den sie abwerben konnten, ein Kopfgeld. Für einen Wissenschaftler, Ingenieur oder Facharbeiter zum Beispiel je 100,– DM.
Alle diese Agenten bekamen ihre Aufträge von Westberliner Organisationen. Solcher Art Organisationen soll es damals über 80 in Westberlin gegeben haben. Ich erinnere mich hier an die aktivste, brutalste und wahrscheinlich auch größte, an die »Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit« (KgU), vom USA-Geheimdienst ins Leben gerufen. Aus der Reihe der zahlreichen Verbrechen der »KgU«, die damals in Prozessen behandelt wurden, seien hier kurz erwähnt:
• Mehrere Eisenbahnattentate auf der Strecke Magdeburg-Dessau. Zahlreiche Personen wurden hierbei verletzt.
Die größte Hydraulikpresse der DDR im Ernst-Thälmann-Werk in Magdeburg sollte gesprengt werden.
• Die Hauptturbine sowie der größte Schornstein der Filmfabrik Wolfen sollten durch Sprengung vernichtet werden.
Durch Säure wurden im VEB-Kombinat ›Otto Grotewohl‹ in Böhlen zahlreiche Motoren von Lastkraftwagen zerstört.
• Die Autobahnbrücke bei Finowfurt, die über den Großschiffahrtskanal führt, wurde mittels Phosphorampullen in Brand gesteckt und die Paretzer Schleuse im Nauener Kanal zur Sprengung vorbereitet.
Die Schiffswerft Angermünde und ein Hochspannungsmast der Stromleitung nach Güstrow sollten durch Sprengung vernichtet werden.
• Ein Ausstellungspavillon in Dresden wurde durch Sprengbüchsen mit Verzögerungsuhr zerstört.
Die Diversionsgruppe »Admiral« hatte den Auftrag, Waldbestände im Erzgebirge durch Brandstiftung mit Benzin Phosphor und Nitroflüssigkeit zu vernichten.
• Mit vier Flaschen Säure sollten die Transmissionsriemen und Maschinen im VEB-Feintuch, Finsterwalde, zerstört werden.
Man könnte Bände füllen, mit all dem, was damals alles von Westberlin aus gegen die DDR unternommen wurde. Wie groß allein die amerikanischen »Investitionen« in dieses blutige Geschäft waren, schreibt die Zeitung »Rheinische Poet« am 1. September 1961: »In der Auslandshilfe (der USA d. Red.) ist ein sorgfältig verschleierter Posten in Höhe von Millionen Dollar enthalten, der für antikommunistische Aktionen in Europa vorgesehen ist. Einzelheiten werden streng geheimgehalten.«
Angesichts dieser Tatsachen könnte man die allerdings hypothetische Frage stellen: wäre es nicht richtiger gewesen, 1950 eine Mauer zu bauen, um sie 1960 wieder abreißen zu können? Auf der anderen Seite hätte eine Mauer 1950 die damals noch vorhandenen Bestrebungen (der DDR – Red.) der Wiedervereinigung erheblich behindert.

Unzufriedenheit bei den Arbeitern
Die Vorbereitung auf den Tag X durch den Westen mit allen erdenklichen Mitteln, das war die eine Seite der Medaille. Die andere Seite war, daß die Arbeiter mit Zuständen in den eigenen Betrieben, mit Zuständen in den Gewerkschaften, mit Zuständen in Staat und Wirtschaft, mit dem Verhalten der Staats- und Parteifunktionäre, mit vielen anderen negativen Erscheinungen, die mit Beginn des Fünfjahresplanes verstärkt auftraten, nicht zufrieden waren. Mit dem Fünfjahresplan, der 1950 in die Wege geleitet und 1951 von der Volkskammer als Gesetz verabschiedet wurde, begannen, so sehe ich es heute, einschneidende Maßnahmen, die von vielen Arbeitern nicht verstanden wurden, und die zur erhöhten Republikflucht führten. Ich selbst war natürlich begeistert, aber was hatte ich schon für Lebenserfahrungen? Ich war Jahrgang 1935. Mit 16, 17, 18 Jahren – da fand ich alles richtig und schick.
Der Fünfjahresplan sah vor: Bis Ende 1955 muß die Industrieproduktion im Verhältnis zum Jahr 1950 ein Ausmaß von 190 Prozent erreichen. Das war eine enorme Sache. Das bedeutete für die Betriebe eine ungeheure Erhöhung der Arbeitsproduktivität. Dazu wurden viele Methoden beschlossen:
• Veränderung der Arbeitsnormen. Das hieß: Weg von den bisherigen erfahrungsstatistischen Normen und hin zu technisch begründeten Arbeitsnormen;
Einführung neuer Arbeitsmethoden;
• verstärkte Aktivistenbewegung;
Massenwettbewerbe;
• Prämiensystem;
Kampagne zur Einsparung aller Arten von Material;
• Senkung der Selbstkosten.
Viele Arbeiter standen diesen Maßnahmen skeptisch gegenüber. Und als FDJler und Parteimitglied hatte man Schwierigkeiten, diese Beschlüsse und Entscheidungen zu erläutern. Um Kampagnen oder wichtige Beschlüsse zu erläutern, wurden FDJler und Parteileute oft zeitweise vom normalen Arbeitsplatz freigestellt. Eine solche Freistellung sahen die Kollegen am Arbeitsplatz verständlicherweise nicht gerne, denn sie mußten ja meine Arbeit mitmachen.
Ich war damals im TRO (Transformatorenwerk Karl Liebknecht, ) tätig und mußte zum Agitieren in die Lehrwerkstatt, aber auch in andere Abteilungen. Einige Auseinandersetzungen, die die Unzufriedenheit der Arbeiter, auch mehrerer Parteigenossen hervorriefen, habe ich noch genau im Gedächtnis:
Die Hälfte der Kantine im TRO war für die Angestellten reserviert gewesen, die andere Hälfte für die Arbeiter aus der Produktion. Die Tische der Angestellten hatten weiße Tischdecken, die der Arbeiter waren wegen der oft beschmutzten Hände und Kleidung kahl. Arbeiter hatten sich darüber beschwert. Die Beschwerde hatte Erfolg. Alle Tische erhielten weiße Decken mit einer Glasplatte darüber. So war das Schmutzproblem gelöst und es gab auch keine Unterschiede mehr, jeder konnte sich hinsetzen, wo er wollte.
Im Zuge des Fünfjahresplanes forderte Walter Ulbricht plötzlich die »Schaffung besonderer Speiseräume« für die Intelligenz. Viele FDGB-Mitglieder und auch SED-Leute verstanden nun gar nichts mehr, denn da sollten nicht nur die besonderen Kantinen für die Intelligenz geschaffen werden, sondern ein ganzer Katalog von Privilegien für die Intelligenz wurde bekanntgegeben. Gegen die Zurverfügungstellung von kostenloser wissenschaftlicher Literatur, Entwicklungs- und Forschungsstätten, Laboratorien usw. war sicherlich nichts zu sagen, aber sehr wohl gegen die materiellen Privilegien, die nun die Intelligenz erhalten sollte: gesonderte Gehaltsverträge; bessere, gesonderte Wohnungen, Prämienfonds, Ferienorte, Konsumläden wurden benannt, wo die Intelligenz mit Sonderausweisen Lebensmittel kaufen konnte und vieles mehr.
Es war nur allzu verständlich, daß Parteigenossen und Gewerkschafter das nicht verstanden. Gegen diesen ›Unverstand‹ kam die Weisung: »In allen Betriebsabteilungen unserer volkseigenen und ihnen gleichgestellten Betriebe, in allen Staats-, Wirtschafts- und Verwaltungsorganen müssen offen die Fragen des Verhältnisses der Arbeiterklasse zur Intelligenz besprochen und ein offener Kampf gegen das falsche Verhalten von Genossen oder Gewerkschaftsmitgliedern geführt werden.« – Was war wirklich falsch? Falsch war, daß in einem VEB-Betrieb das gesamte Konstruktionsbüro von der Prämienzahlung, die der Betrieb erhalten hatte, ausgeschlossen wurde mit der Begründung, das Konstruktionsbüro ist keine Produktionsstätte. Falsch war, daß Ingenieure und Wissenschaftler wegen ihrer meist bürgerlichen Vergangenheit als »Reaktionäre« abgestempelt wurden. Und ganz daneben ging es, als im TRO zwei Ingenieure auf die Straße gesetzt wurden, weil sie zwar »tüchtige Fachleute, aber ideologisch zurückgeblieben waren«.
Diese sektiererischen Fehler, die sicherlich nicht vereinzelt auftraten, berechtigten aber nicht, der Intelligenz besondere Privilegien einzuräumen und nicht die Argumente, man müsse die Intelligenz für den Fünfjahresplan anfeuern und sie mit diesen Privilegien halten. Ehrliche Kritik und Selbstkritik, kameradschaftliche Zusammenarbeit, Bezahlung der Leistung entsprechend, das wäre die Lösung gewesen. Dann hätte auch die Mobilisierung der Arbeiter größere Erfolge gehabt.
Die Privilegien waren nicht nur für die Technische Intelligenz gedacht. Auch höhere Parteifunktionäre, Gelehrte und Wissenschaftler, und vor allem Schriftsteller, Künstler und andere Kulturschaffende erhielten ebenfalls diese Privilegien. Ein Redakteur beispielsweise erhielt damals vor dem 17. Juni durchschnittlich 800,– Mark monatlich, während ein Arbeiter ohne Prämie und Akkord mit 150,– Mark monatlich nach Hause ging. Selbst mit Prämien und hoher Normenerfüllung kam er nur auf höchstens 180,– Mark bis 200,– Mark monatlich. Die Schriftsteller wurden besonders gefördert. Ein Student der Literatur erhielt damals monatlich 800,– Mark Unterstützung. Neben hohen Grundgehältern erhielten die Kulturschaffenden auch noch Vorlesungshonorare, selbst für den billigsten Schund wie Kriminalromane die sich die Arbeiter auf Leseabenden anhören mußten. – Wen wunderte es da, daß immer mehr Arbeiter der DDR den Rücken kehrten?
Auseinandersetzungen innerhalb der Partei und Gewerkschaft gab es auch im Sommer 1952, als es um Aufgaben der Gewerkschaft ging, und wo man hinterher nicht mehr wußte, was nun eigentlich Trumpf war. Auf einer zentralen Gewerkschaftstagung wurde den Betriebsgewerkschaftsleitungen vorgeworfen, sie würden sich zuviel in die Angelegenheiten der Werksdirektoren einmischen. Die Direktoren seien in all ihren Handlungen von den Unterschriften der Betriebsgewerkschaften abhängig. Dieses ständige Dreinreden müsse aufhören. Die Rolle der Betriebsleitungen habe sich gewandelt. In der neue Periode dürfe man die Aufgaben der Betriebsleitung und der Gewerkschaft nicht mehr miteinander vermischen. Welche neue Periode gemeint war, wurde nicht gesagt. Die Betriebsgewerkschaftsleitung wurde aufgefordert, sich künftig nicht mehr so oft bei der Direktion »einzumischen«.
Die Gewerkschaftsfunktionäre im TRO empfanden das als mal hü, mal hott. Was war nun richtig? Früher gab es das Betriebsrätesystem. Die Betriebsräte hatte man 1948/50 aufgelöst, weil es neben diesen Räten die BGL gab und gerade sie im sozialistischen Staat mehr mit einbezogen werden sollte in Entscheidungen und Maßnahmen der Werksleitungen, in Pläne für die Betriebe, für die Arbeiter, die Arbeitswelt. Keiner kam mit dem mehr klar, was nun wieder gesagt wurde.
Es ist sicherlich interessant, wenn diese Entscheidungen und Maßnahmen, die damals in Bezug auf die Kompetenzen der Werksdirektoren und der Gewerkschaften getroffen wurden, heute einmal analysiert werden würden.
Auch mit der verstärkten Aktivistenbewegung war das so eine Sache. Als Hauptaufgabe der Gewerkschaften wurde ausgegeben, die Hennecke-Bewegung zielbewußter durchzuführen und zu fördern, um dadurch die Arbeitsproduktivität erheblich zu erhöhen. Dazu wurde extra eine Hennecke-Aktivistenkonferenz durchgeführt. Auf Hennecke waren aber viele Arbeiter nicht gut zu sprechen, und die Gewerkschaft hatte es schwer, über Hennecke-Tage zu diskutieren, geschweige denn, sie vorzuschlagen oder durchzuführen. Adolf Hennecke war ein Aktivist, ein Hauer im Steinkohlenrevier, der am 13. Oktober 1948 eine Tagesnorm von 387 Prozent erreicht hatte, ein Pensum von 30 Tonnen Steinkohle. Adolf Hennecke wurde 1949 dafür mit dem Nationalpreis (der mit Geld verbunden ist) ausgezeichnet, er wurde Mitglied des ZK der SED und Mitglied der Volkskammer der DDR, Held der Arbeit und Verdienter Bergmann.
Adolf Hennecke wurde oft mit Stachanow, einem Hauer im Donezbecken, der 1935 in der UdSSR an einem Tag 102 Tonnen Steinkohle förderte, verglichen. Doch gab es einen großen Unterschied zwischen Hennecke und Stachanow, über den damals nicht gern gesprochen wurde: Alexej Stachanow förderte die 102 Tonnen während einer Schicht aufgrund verbesserter Arbeitsorganisation und Technisierung. Adolf Hennecke schaffte seine Leistung, die fraglos anzuerkennen ist, allein mit seiner körperlichen Kraft. Diese Spitzenleistung diente als Anlaß zur Auslösung der Hennecke-Aktivistenbewegung. Das ununterbrochene Trommeln jedoch, ständig Hennecke-Tage durchzuführen, ging den Arbeitern auf die Nerven. Zumal man von Adolf Hennecke künftig nur noch hörte, wenn er wieder einmal ins befreundete Ausland abgereist war, denn inzwischen war er nämlich längst Abteilungsleiter im Ministerium für Kohle und Energie geworden.
Im TRO erlebte ich auch erste Erscheinungen von Schiebung und Korruption. In der DDR gab es damals noch wenig Textilien und Lederwaren zu kaufen. Eines Tages kam aus der Tschechoslowakei eine größere Sendung von Schuhen für die Werktätigen. Als die Schuhe da waren, ging alles recht geheimnisvoll zu. Zuerst kamen die Frauen der Direktoren dran, obwohl sie gar kein Recht auf diese Schuhe hatten, denn sie waren keine Betriebsangehörigen. Dann bekamen die Sekretärinnen ihre Schuhe. Ein Teil ging an den Parteisekretär, ein anderer Teil an das BGL-Büro. Der Rest wurde an die Betriebsarbeiter verteilt. Die Art dieser Verteilung löste Mißstimmung aus, aber niemand äußerte sie sehr laut.
Im Spätsommer 1952 wurde eine Kampagne durchgeführt, um die Volkspolizei, die noch sehr jung war, zu stärken. Es war für viele Parteimitglieder selbstverständlich, sich zu melden. So ging auch ich zur Volkspolizei. Ich wurde in Berlin-Oberschöneweide eingesetzt. Und hier erlebte ich wieder merkwürdige Praktiken. Die Menschen, die 1952 in den Westen gingen, waren im Gegensatz zu späteren Fluchtbewegungen meistens Menschen aus überwiegend kleinbürgerlichen Verhältnissen: Ärzte, Handwerker, Großbauern, Technokraten. Wer das Verlassen ihrer Wohnungen, Werkstätten, Praxen usw. zuerst bemerkte, war die Volkspolizei. Oft wurde die Polizei durch die Bevölkerung benachrichtigt, manchmal kamen von den Besitzern auch selbst Briefe, nachdem sie die Wohnung usw. verlassen hatten. In den meisten Wohnungen war Inventar hinterlassen worden, manche schlugen es vorher kaputt oder machten es auf andere Weise unbrauchbar. Diese Wohnungen und Häuser wurden dann, bis die Sache behördlich geregelt war, von der Volkspolizei versiegelt. Es ist in dieser Zeit häufiger vorgekommen, daß die Abschnittbevollmächtigten, die ABV, (das waren die Polizisten, die in den Straßen Streife liefen und einen bestimmten Abschnitt zu betreuen hatten), im guten Einvernehmen mit ihrem Revierleiter sich einen Teil der Möbel aneigneten. Sie hatten auch häufiger die Finger darauf, wer in diese Häuser – oft waren es Villen – einziehen durfte. Natürlich solche, die sich erkenntlich zeigten. Auch wenn ab und zu solche Fälle bestraft wurden und die Presse darüber berichtete, so wurde doch keine Kampagne gegen solche Erscheinungen geführt, geschweige denn, daß man die Bevölkerung, vor allem die Arbeiterklasse zum Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft mobilisierte.
Und es gab hunderte anderer Erscheinungen: Arroganz und Überheblichkeit der Parteifunktionäre, Streber- und Kriechertum, Kopfnicker und Ja-Sager, Befehlsempfänger, Aufgeblasenheit und Verschleierung von Fehlern. Es wurde beschönigt und gelobhudelt. Waren schwerwiegende Fehler von Parteifunktionären wirklich nicht mehr zu verdecken, so wurden sie weggelobt, auf Parteischulen abgeschoben oder erhielten andere Posten. Sie fielen immer nach oben. All das brachte der Wirtschaft viel Schaden. Nur selten kamen Bürokratie und Mißwirtschaft ans Tageslicht, wie diese: In der LOWA-Görlitz herrschte großer Unwille unter den Arbeitern, weil dort achtzehnmal die Planauflage geändert wurde. Oder: Die Landesregierung Brandenburg versandte in 14 Monaten insgesamt 2959 Rundschreiben an die Landräte und Bürgermeister, das heißt pro Tag 81/2 Rundschreiben. Wer sollte das lesen und weiter verarbeiten?
Das alles blieb den Arbeitern nicht verborgen. Aber sie wußten keinen Ausweg, es zu ändern. Viele glaubten noch an Anfangsschwierigkeiten in der Aufbauphase. Daß es keine Anfangsschwierigkeiten waren, sondern daß es um prinzipielle Dinge ging, merkten die meisten Arbeiter kurz vor dem 17. Juni, als die DDR-Regierung auf administrativem Weg, ohne die Arbeiter in einer Kampagne vorher darüber zu befragen, die Betriebe zwingen wollte, die Arbeitsnormen um 10 Prozent zu erhöhen. Dieser Fehler wurde von den Agentenorganisationen sofort ausgenutzt, um ihre Provokation, den Tag X, den sie schon lange vorbereitet hatten, zu starten.

Der Tag »X«
Ich arbeitete zu diesem Zeitpunkt im Betrieb Kabelwerk Oberspree, auch KWO genannt, ebenfalls in Berlin-Oberschöneweide gelegen. Bei der Volkspolizei mußte ich aufhören, weil mein Vater die DDR, wie viele andere, verlassen hatte und bei der Volkspolizei keine beschäftigt werden durften, deren Angehörige »republikflüchtig« waren. Mein Vater, Arbeiter im TRO, war nie Antikommunist, aber auch kein Anhänger der DDR gewesen. Er hatte aber auch nichts dagegen, daß ich mich aktiv und begeistert für den Aufbau des Sozialismus einsetzte. Doch Mißstände und Dinge, die ihm nicht gefielen, kritisierte er offen. Er wurde verhaftet und wegen seiner schweren Kriegsverletzung wieder frei gelassen. Woche für Woche wurde er jedoch aufgefordert, zum Verhör zu erscheinen. Er zog die Konsequenz und ging nach Westberlin. Im KWO war ich in der Thälmann-Brigade. Wir arbeiteten an Spritzmaschinen, die um Draht eine Isoliermasse legten, der dann auf Kabeltrommeln aufgerollt wurde. In der Brigade arbeiteten fünf Kollegen, drei an Maschinen, ein Materialzubringer, der Brigadier, der das Endprodukt kontrollierte. Wir arbeiteten in zwei Schichten. Unsere Brigade fuhr immer 20 bis 30 Prozent über die Norm, an manchen Tagen, wenn das Material gut war und es keinen Ausschuß gab, sogar 70 bis 80 Prozent. Um auf eine gute Prämie zu kommen, einigten wir uns manchmal und arbeiteten in der Nachmittagsschicht 1/2 Stunde länger.
Unsere Brigade schien eine fortschrittliche Brigade zu sein, denn von den fünf Kollegen waren zwei in der SED und einer in der FDJ. Trotzdem gab es, als die Meister mit den Brigadiers über die neue Normerhöhung sprachen, bei uns helle Aufregung. Immerhin hatten wir zum 1. Mai freiwillig die Normen erheblich übererfüllt. Diese spontane Erregung legte sich jedoch schnell wieder, denn bei genauer Überlegung war es für unsere Brigade keine sehr große Anstrengung. Was zurückblieb, war der Ärger über die Art und Weise, wie der Beschluß über die Normenerhöhung zustande kam, das paßte uns nicht. Der Beschluß war schon Ende Mai für die gesamten Industriebetriebe im Zuge des »Neuen Kurses« gefaßt worden. Der »Neue Kurs« sah die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung vor. Wir im KWO, in unserer Brigade, hörten von dem Beschluß erst einige Tage vor dem 17. Juni. Vorher war zwar Gemurmel da, aber nichts Offizielles. Das empfanden wir als Hintergehen, als Heimlichkeit und Unehrlichkeit. Und so war es ja auch. Bei dieser Normenerhöhung war nichts von der Diktatur der Arbeiterklasse zu spüren. Sie wurde nicht befragt und um ihre Vorschläge gebeten. Das war es, was einen Teil der Arbeiter so in Empörung versetzte. Waren zudem noch Meister, Brigadiere oder Parteigenossen, mit denen über die Normerhöhung diskutiert wurde oder die sie sogar mit durchsetzen sollten, noch unbeliebt, so kam es schon hier und da zu Protestaktionen.
Und es war nicht nur die geplante Normenerhöhung, die die Unzufriedenheit der Arbeiter wachsen ließ, besonders empörte es sie, daß, während man ihnen zumutete, für das gleiche Geld mehr zu arbeiten, die Gehälter der Bürokraten, der Technischen Intelligenz, der Funktionäre, Direktoren und bürgerlichen Experten nicht gesenkt, sondern sogar noch erhöht wurden. All das zusammen machte es dem CIA leicht, jetzt den Tag X auszurufen, auf den er solange gewartet hatte. Die Rücknahme der geplanten Normenerhöhung am 16. Juni kam da zu spät.
Unsere Brigade hatte beschlossen, die Normenerhöhung durchzuführen. Außer dem Materialzubringer waren wir anderen vier damit einverstanden. Die Parteigenossen sollten jedoch auf der nächsten Zusammenkunft mit der Parteileitung gegen die Art und Weise, wie dieser Beschluß zustandegekommen war, protestieren. Doch dazu kam es nicht mehr.
Nedenstående artikel blev første gang offentliggjort i Roter Morgen, organ for KPD, Tysklands Kommunistiske Parti.

Læs videre i -tredje og sidste del af Waltraud Aust artikel om den kontrarevolutionære juniopstand i 1953 fra Roter Morgen nr. 2003

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